La Sapelogie

Ein Abend im «La Main Bleue» , einem Freiluft-Tanzcafé in Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo : Hier treffen sich auffällig elegante Männer, oder besser gesagt, sie lassen sich hier sehen, denn offensichtlich geht es hier darum, gesehen zu werden und edle Outfits herzuzeigen. Man bewegt sich langsam, damit jeder Zeit hat, darauf aufmerksam zu werden, dass der König des Abends da ist. Man nimmt Posen ein, die das Firmenschild des Anzugs oder des Gürtels hervorblitzen lassen, zieht die Hose hoch, damit der Blick auf die Schuhe freigegeben wird, und man sehen kann, dass Socken, Krawatte und Einstecktuch farblich perfekt aufeinander abgestimmt sind. Wichtig sind auch Accessoires wie Sonnenbrille und Hosenträger, Zigarre oder Pfeife.
Diese Männer sind « Sapeurs », die Gentlemen Afrikas, die einen exklusiven Lebensstil pflegen. Der Anzuge sollte am besten aus Paris stammen ; wenn man Glück hat, bringt ein Freund oder Cousin aus Frankreich hin und wieder ein Paket auf den Weg. Am beliebtesten sind Kleider von bekannten Designern, aber No-Name-Produkte machen auch schon Eindruck, sofern Paris oder zumindest Milano oder London auf dem Schildchen steht. Schuhe sollten von JM Weston sein, das einfache Modell zu 400 Euro, für die Kroko-Version mit Doppel-Lochmuster muss man allerdings mehr als 1000 Euro hinblättern, also unter Umständen das sechsfache Monatsgehalt (das Durchschnittseinkommen in Brazzaville liegt bei 150 Euro/Monat). Und je mehr Paar Schuhe man sein eigen nennen kann, desto stolzer kann man sein. Aber um sich sapeur nennen zu können, reicht es nicht, nur teure Klamotten zu besitzen. Man muss schon Stil haben, zum Beispiel die Kunst beherrschen, Farben richtig zu kombinieren (Regel Nr. Eins : nie mehr als drei verschiedene Farben tragen). Und man muss die Regeln der Höflichkeit kennen. Die Sapeurs bilden oft kleinere Gruppen : Ein erfahrener Sapeur, der seine « Petits » , an die er sein Wissen weitergibt, um sich versammelt, oder Gruppen, häufig aus demselben Stadtteil, die ihre Kleider austauschen und sich gemeinsam anziehen, bevor sie zusammen in den Klub gehen. Aber immer konkurriert jeder mit jedem, denn es geht darum, wer am meisten Stil hat.
Die Leute aus Brazzaville lachen gern über das eitle Gebaren, die Sapeurs selbst aber sehen sich gern als Nachfolger von Andre Grenard Matsoua, einem anti-kolonialistischen Kämpfer, der schon 1922 den Kolonialherren seinen Stolz durch das Tragen von europäischer Kleidung zum Ausdruck bringen wollte. Es wird immer wieder darüber diskutiert, woher « La Sape » («Societe des Ambianceurs et des Personnes Elegantes ») eigentlich ursprünglich kommt, ob aus Kinshasa oder aus Brazzaville ; heute gibt es Sapeurs in mehreren afrikanischen Ländern, im Kongo, aber beispielsweise auch in Gabun und in Südafrika.
Heute hat « La Sape » allerdings wenig mit Politik zu tun, heute steckt dahinter wohl vielmehr, einen Abend lang der alltäglichen Misere zu entfliehen, für einige Stunden ein Dandy zu sein.
Ich habe die Sapeurs in ihren Häusern fotografiert, um den Kontrast zwischen ihrem Alltag und dem extravaganten Chic ihrer Kleidung zu zeigen.